Interessantes aus der Orthopädie
Wie lassen sich Beschwerden vorbeugen?
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Schmerzen und Bewegungseinschränkungen?
Und was können Sie selbst für gesunde Gelenke, Knochen und Muskeln tun?
In dieser Rubrik finden Sie Wissenswertes aus der Orthopädie: verständlich aufbereitete Informationen zu häufigen Krankheitsbildern,
modernen Diagnose- und Therapieverfahren sowie praktische Tipps für mehr Beweglichkeit und Lebensqualität.
Entdecken Sie aktuelle Erkenntnisse und hilfreiche Impulse für einen aktiven, gesunden Alltag.
Baunscheidt-Therapie – eine historische Behandlung neu gedacht.
Traditionelle Reiztherapie trifft moderne Orthopädie
Manchmal lohnt sich ein Blick zurück.
Die Medizin hat in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Moderne Bildgebung, differenzierte Funktionsdiagnostik, regenerative Verfahren und ein immer besseres Verständnis von Schmerz und Gewebereaktionen ermöglichen heute Behandlungsmöglichkeiten, die Carl Baunscheidt im 19. Jahrhundert noch nicht zur Verfügung standen.
Und dennoch ist ein Grundgedanke seiner Behandlung auch heute interessant:
Ein gezielter Reiz kann eine Reaktion des Körpers auslösen.
Die Baunscheidt-Therapie nutzt diesen Gedanken bereits seit rund 200 Jahren. In unserer orthopädischen Praxis verbinden wir dieses traditionelle Verfahren mit den Möglichkeiten einer modernen medizinischen Diagnostik.
Was ist die Baunscheidt-Therapie?
Die Methode wurde um 1840 von Carl Baunscheidt entwickelt. Beim klassischen Baunscheidtieren wird die Haut mit einem speziellen Nadelgerät oberflächlich gereizt. Anschließend wird ein hautreizendes Öl aufgetragen. Dadurch entsteht eine bewusst hervorgerufene lokale Reaktion der Haut.
Historisch wurde diese Reaktion als eine Form der „Ausleitung“ beziehungsweise als künstlich erzeugte Entzündung verstanden.
Heute würden wir die Vorgänge differenzierter betrachten.
Die mechanische und chemische Reizung der Haut kann zu einer lokalen Durchblutungssteigerung und einer Aktivierung verschiedener Reiz- und Regulationsmechanismen führen. Auch neurophysiologische Reflexmechanismen werden als mögliche Erklärung diskutiert. Der genaue therapeutische Wirkmechanismus ist jedoch bislang nicht ausreichend wissenschaftlich geklärtWarum kann eine Hautreizung bei orthopädischen Beschwerden interessant sein?
Unser Bewegungsapparat funktioniert nicht isoliert.
Haut, Muskeln, Faszien, Gelenke und Nervensystem stehen über komplexe Regelkreise miteinander in Verbindung. Ein äußerer Reiz kann dabei die Verarbeitung von Schmerz und anderen Sinneseindrücken beeinflussen.
Genau hier setzt die Idee der Reiztherapie an.
Das Ziel besteht nicht darin, eine Erkrankung einfach „wegzureizen“. Vielmehr kann eine gezielte lokale Stimulation als ergänzender therapeutischer Impuls eingesetzt werden.
Dabei steht für uns immer die Frage im Mittelpunkt:
Welcher Reiz könnte diesem Patienten mit seinem individuellen Beschwerdebild sinnvoll helfen?
Baunscheidt-Therapie in unserer orthopädischen Praxis
Wir setzen die Baunscheidt-Therapie insbesondere als ergänzendes Verfahren bei ausgewählten Beschwerden des Bewegungsapparates ein.
Dazu können beispielsweise gehören:
- chronische Muskelverspannungen
- muskuläre Schmerz- und Reizzustände
- Beschwerden im Bereich von Nacken und Schulter
- chronische Rückenbeschwerden
- funktionelle Beschwerden der Wirbelsäule
- muskuläre Begleitbeschwerden bei degenerativen Veränderungen
- ausgewählte Beschwerden im Bereich von Muskeln und Weichteilen
- ergänzend bei bestimmten chronischen Gelenkbeschwerden
Dabei ist die Baunscheidt-Therapie keine Alternative zu einer notwendigen orthopädischen Behandlung.
Sie ist vielmehr ein Baustein innerhalb eines individuellen Behandlungskonzeptes.
Erst verstehen – dann behandeln
Gerade bei chronischen Beschwerden ist eine sorgfältige Diagnostik entscheidend.
Ein Rückenschmerz kann beispielsweise durch verschiedene Ursachen entstehen. Auch bei Knieschmerzen können Gelenk, Muskulatur, Sehnen, Faszien und Bewegungsabläufe gleichzeitig beteiligt sein.
Deshalb steht bei uns am Anfang nicht die Behandlungsmethode, sondern die Diagnose.
Erst wenn wir verstanden haben, woher die Beschwerden kommen und welche Strukturen beteiligt sind, entscheiden wir gemeinsam mit Ihnen, welche Behandlung sinnvoll sein kann.
Die Baunscheidt-Therapie kann dabei – je nach Befund – mit anderen konservativen Verfahren kombiniert werden, beispielsweise mit:
- manueller Medizin
- gezielter Bewegungstherapie
- physikalischen Maßnahmen
- Akupunktur
- Infiltrationstherapie
- regenerativen Verfahren
So entsteht kein Behandlungsschema „von der Stange“, sondern ein individuell abgestimmtes Konzept.
Eine alte Methode – mit einem modernen Verständnis
Die ursprünglichen Vorstellungen Carl Baunscheidts über die Wirkweise seiner Methode entsprechen selbstverständlich nicht unserem heutigen medizinischen Wissen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede historische Behandlungsmethode automatisch wertlos ist.
Vielmehr lohnt sich eine differenzierte Betrachtung:
Was ist historisch überliefert? Was lässt sich heute physiologisch erklären? Und was ist tatsächlich wissenschaftlich belegt?
Diese Fragen sind uns wichtig.
Die Baunscheidt-Therapie gehört zur Erfahrungsmedizin. Für ihre spezifische Wirksamkeit bei orthopädischen Erkrankungen liegen bislang keine überzeugenden klinischen Studien vor.
Deshalb verstehen wir sie nicht als wissenschaftlich bewiesene Heiltherapie, sondern als ergänzendes Verfahren, das bei ausgewählten Patienten sinnvoll eingesetzt werden kann.
Unser Ansatz: Bewährtes bewahren, Neues integrieren
Moderne Medizin bedeutet für uns nicht, alles Traditionelle abzulehnen.
Und sie bedeutet ebenso wenig, jede traditionelle Methode unkritisch zu übernehmen.
Unser Anspruch ist ein anderer:
Wir verbinden moderne orthopädische Medizin mit ausgewählten Verfahren aus der Erfahrungsmedizin – dort, wo dies sinnvoll und verantwortbar erscheint.
Dabei stehen eine präzise Diagnostik, eine individuelle Beratung und eine realistische Einschätzung der Behandlungsmöglichkeiten immer an erster Stelle.
Für wen kann Baunscheidt-Therapie interessant sein?
Besonders Patienten mit länger bestehenden muskulären oder funktionellen Beschwerden können sich für dieses Verfahren interessieren.
Ob eine Behandlung sinnvoll ist, lässt sich jedoch erst nach einer individuellen Untersuchung beurteilen.
Nicht jede Reiztherapie ist für jeden Patienten geeignet. Insbesondere bei Hauterkrankungen, akuten Hautentzündungen, Infektionen oder bestimmten Überempfindlichkeiten muss auf eine Behandlung verzichtet werden.
Auch die verwendeten Präparate und die hygienisch einwandfreie Durchführung sind von großer Bedeutung.
Unser Fazit
Die Baunscheidt-Therapie ist eine fast 200 Jahre alte Behandlungsmethode.
Wir betrachten sie heute nicht mehr mit den Erklärungsmodellen des 19. Jahrhunderts – sondern mit den Augen der modernen Orthopädie.
Eine historische Behandlung neu gedacht.
Nicht als Ersatz für moderne Medizin.
Sondern als möglicher ergänzender Baustein eines individuellen Behandlungskonzeptes.
Denn manchmal kann gerade die Verbindung von Erfahrung, moderner Diagnostik und neuen medizinischen Erkenntnissen interessante therapeutische Möglichkeiten eröffnen.
Kniearthrose – welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es wirklich?
Kniearthrose muss nicht zwangsläufig mit einem künstlichen Kniegelenk enden.
Heute stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, um Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu verbessern und die Belastbarkeit des Kniegelenks möglichst lange zu erhalten.
Doch welche Behandlung hilft tatsächlich? Was können Hyaluronsäure, PRP oder Stammzellen leisten? Und wann sind konservative Maßnahmen oder eine Operation sinnvoll?
Die Antwort ist nicht für jeden Patienten gleich. Entscheidend sind Ausmaß und Ursache der Arthrose, das biologische Alter des Gelenks, Begleiterkrankungen, die Beinachse, die individuelle Belastung und vor allem die Beschwerden des Patienten.
Arthrose ist mehr als „Knorpelverschleiß“
Kniearthrose, medizinisch Gonarthrose, ist eine Erkrankung des gesamten Gelenks. Nicht nur der Gelenkknorpel verändert sich. Auch der darunterliegende Knochen, die Gelenkinnenhaut, Bänder und die umgebenden Muskeln können betroffen sein.
Typische Beschwerden sind:
- Schmerzen beim Gehen oder Treppensteigen
- Anlaufschmerzen nach Ruhephasen
- Belastungsschmerzen beim Sport
- Schwellungen und Reizzustände
- eingeschränkte Beweglichkeit
- zunehmende Belastungseinschränkung
Interessant ist: Das Ausmaß der Arthrose im Röntgenbild und die Stärke der Beschwerden stimmen nicht immer überein.
Deshalb sollte die Behandlung nicht allein nach dem Röntgenbild erfolgen.
Die Basis jeder Arthrosebehandlung: Bewegung
Auch wenn es zunächst widersprüchlich klingt: Ein arthrotisches Knie sollte in der Regel nicht geschont, sondern gezielt bewegt und trainiert werden.
Regelmäßiges Kraft- und Ausdauertraining kann Schmerzen reduzieren und die körperliche Funktion verbessern. Besonders wichtig ist die Kräftigung der Muskulatur rund um das Knie und der gesamten Bewegungskette.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
- gezieltes Krafttraining
- Ausdauertraining
- Koordinations- und Stabilisationstraining
- gelenkschonende Sportarten
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
Internationale Leitlinien zählen Aufklärung, Bewegung und – bei Übergewicht – Gewichtsmanagement zu den zentralen Bausteinen der nichtoperativen Arthrosebehandlung.
Keine Spritze kann regelmäßige Bewegung ersetzen.
Hyaluronsäure – kann sie dem Knie helfen?
Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit. Sie trägt dazu bei, dass das Gelenk gleitfähig bleibt und Belastungen abgefedert werden.
Bei Arthrose verändert sich die Zusammensetzung der Gelenkflüssigkeit. Durch eine Injektion von Hyaluronat in das Kniegelenk soll die Gelenkfunktion unterstützt und eine Schmerzlinderung erreicht werden.
Was sagt die Wissenschaft?
Die wissenschaftliche Bewertung von Hyaluronsäure ist differenziert.
Die OARSI-Leitlinie sieht intraartikuläre Hyaluronsäure bei Kniearthrose als eine bedingt empfehlenswerte Option, insbesondere aufgrund möglicher länger anhaltender symptomatischer Effekte.
Die amerikanische AAOS ist dagegen zurückhaltender und empfiehlt Hyaluronsäure nicht zur routinemäßigen Anwendung. In ihrer Analyse zeigte sich zwar ein statistischer Vorteil, dieser war insgesamt jedoch häufig nicht groß genug, um einen klinisch relevanten Unterschied sicher anzunehmen. Gleichzeitig schienen bestimmte Patientengruppen eher zu profitieren als andere.
Das bedeutet:
Hyaluronsäure ist weder ein Wundermittel noch grundsätzlich wirkungslos.
Bei ausgewählten Patienten kann sie eine sinnvolle Ergänzung des Behandlungskonzeptes sein. Eine Wiederherstellung des zerstörten Knorpels darf man von der Behandlung allerdings nicht erwarten.
PRP – die Eigenbluttherapie bei Kniearthrose
Eine zunehmend häufig eingesetzte Methode ist die Behandlung mit PRP (Platelet-Rich Plasma).
Dabei wird dem Patienten eigenes Blut entnommen und aufbereitet. Ein Teil der Blutplättchen und der darin enthaltenen biologisch aktiven Botenstoffe wird konzentriert und anschließend in das betroffene Gelenk injiziert.
Die Grundidee ist interessant:
Blutplättchen enthalten zahlreiche Wachstums- und Signalstoffe, die an natürlichen Reparatur- und Regulationsprozessen des Körpers beteiligt sind.
Was kann PRP bei Kniearthrose bewirken?
Mehrere klinische Studien und Metaanalysen zeigen, dass PRP bei bestimmten Patienten Schmerzen reduzieren und die Gelenkfunktion verbessern kann.
Die Ergebnisse sind allerdings nicht einheitlich.
Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass „PRP“ nicht immer dasselbe bedeutet. Die Konzentration der Blutplättchen, die Zusammensetzung des Präparates, die Aufbereitung, die Anzahl der Injektionen und die Auswahl der Patienten unterscheiden sich zwischen Studien erheblich.
Auch die wissenschaftlichen Leitlinien bewerten PRP deshalb unterschiedlich. Die ACR/Arthritis Foundation sprach sich aufgrund der damals verfügbaren Evidenz und der fehlenden Standardisierung gegen eine routinemäßige Anwendung aus.
Die AAOS hat dagegen die vorhandene PRP-Literatur systematisch aufgearbeitet, ohne daraus eine Empfehlung für oder gegen PRP abzuleiten.
Unsere Einschätzung
PRP ist keine garantierte Knorpeltherapie.
Bei sorgfältig ausgewählten Patienten kann die Behandlung jedoch eine interessante Möglichkeit darstellen, Beschwerden zu reduzieren und die Funktion des Kniegelenks zu verbessern.
Besonders wichtig ist deshalb eine genaue Diagnostik und eine realistische Einschätzung, ob ein Patient von einer PRP-Behandlung wahrscheinlich profitieren kann.
Stammzelltherapie – kann Knorpel wirklich nachwachsen?
Kaum ein Thema der regenerativen Medizin weckt so große Hoffnungen wie die Behandlung mit Stammzellen.
Dabei werden unter anderem mesenchymale Stromazellen (MSC) untersucht. Diese können beispielsweise aus Knochenmark oder Fettgewebe gewonnen werden. Bei Verfahren aus Fettgewebe spricht man unter anderem von stromal-vaskulären Zellfraktionen (SVF).
Die wissenschaftliche Vorstellung ist heute allerdings komplexer als die einfache Aussage:
„Stammzellen werden ins Knie gespritzt und bilden dort neuen Knorpel.“
Eine solche Aussage wäre wissenschaftlich nicht korrekt.
Mesenchymale Stromazellen besitzen vielfältige biologische Eigenschaften. Sie können unter anderem Signalstoffe freisetzen und möglicherweise Entzündungs- und Reparaturprozesse beeinflussen.
Ob und in welchem Ausmaß dadurch tatsächlich eine strukturelle Regeneration des menschlichen Gelenkknorpels erreicht werden kann, ist weiterhin Gegenstand intensiver Forschung.
Wie ist die Studienlage?
Es gibt mittlerweile zahlreiche klinische Studien und Metaanalysen, die auf mögliche Verbesserungen von Schmerzen und Funktion hinweisen.
Gleichzeitig bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den untersuchten Zellpräparaten und Verfahren. Die Studien sind daher nur eingeschränkt miteinander vergleichbar.
Die großen internationalen Leitlinien bewerten Stammzellinjektionen entsprechend zurückhaltend. Die ACR/Arthritis Foundation sprach sich wegen der damals unzureichenden Evidenz und fehlenden Standardisierung gegen deren routinemäßige Anwendung aus.
Auch die OARSI-Leitlinie bewertete sowohl PRP als auch intraartikuläre Stammzelltherapie aufgrund der damals sehr niedrigen Evidenzqualität zurückhaltend.
Stammzelltherapie ist daher derzeit keine etablierte Standardtherapie der Kniearthrose.
Sie gehört vielmehr zu den innovativen regenerativen Verfahren, deren Möglichkeiten und Grenzen weiter wissenschaftlich untersucht werden.
Hyaluronat, PRP oder Stammzellen – was ist nun die beste Behandlung?
Eine einfache Rangliste wäre medizinisch nicht sinnvoll.
| Behandlung | Was kann man erwarten? | Evidenz |
|---|---|---|
| Bewegung & Training | Verbesserung von Schmerzen, Kraft und Funktion | Sehr gut etabliert |
| Gewichtsreduktion | Entlastung und Verbesserung der Beschwerden bei Übergewicht | Sehr gut etabliert |
| Kortison | Kurzfristige Linderung bei entzündlicher Aktivierung | Gut belegt |
| Hyaluronat | Bei ausgewählten Patienten mögliche Verbesserung von Schmerzen und Funktion | Uneinheitlich / kontrovers |
| PRP | Bei ausgewählten Patienten mögliche Verbesserung von Schmerzen und Funktion | Vielversprechend, aber nicht einheitlich |
| Stammzell-/SVF-Verfahren | Mögliche biologische beziehungsweise regenerative Effekte | Noch experimentell / Forschungsgebiet |
| Knieprothese | Deutliche Verbesserung bei fortgeschrittener, symptomatischer Arthrose | Sehr gut etabliert |
Die unterschiedlichen Bewertungen durch Fachgesellschaften zeigen dabei eines sehr deutlich:
Nicht jede wissenschaftlich interessante Behandlung ist bereits eine wissenschaftlich gesicherte Standardtherapie.
Gerade deshalb ist eine individuelle Beratung wichtig.
Wann ist eine regenerative Behandlung sinnvoll?
Regenerative Verfahren können insbesondere dann interessant sein, wenn:
- die Arthrose noch nicht vollständig fortgeschritten ist,
- noch ausreichend funktionelles Gelenkgewebe vorhanden ist,
- konservative Maßnahmen allein nicht ausreichend helfen,
- der Patient eine Operation möglichst vermeiden oder hinauszögern möchte,
- und die individuellen Voraussetzungen für das jeweilige Verfahren gegeben sind.
Bei einer weit fortgeschrittenen Arthrose mit nahezu vollständig zerstörtem Gelenkspalt sind die Möglichkeiten biologischer Verfahren dagegen naturgemäß begrenzt.
Regenerative Medizin kann einen geschädigten Gelenkknorpel nicht beliebig ersetzen.
Wann ist eine Operation notwendig?
Eine Operation sollte nicht allein aufgrund eines Röntgenbildes empfohlen werden.
Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus:
Beschwerden + klinischem Befund + Bildgebung + Einschränkung der Lebensqualität.
Wenn Schmerzen trotz konsequenter konservativer Behandlung dauerhaft bestehen, die Gehstrecke deutlich eingeschränkt ist und die Arthrose weit fortgeschritten ist, kann ein künstlicher Gelenkersatz die sinnvollste Behandlung darstellen.
Auch dann gilt: Eine Knieprothese sollte nicht zu früh, aber auch nicht unnötig spät eingesetzt werden.
Der wichtigste Schritt: eine genaue Diagnose
Bevor über Hyaluronsäure, PRP, Stammzelltherapie oder eine Operation entschieden wird, sollte zunächst geklärt werden:
Woher kommen die Beschwerden tatsächlich?
Denn Knieschmerzen können neben einer Arthrose beispielsweise auch durch Meniskusschäden, Bandprobleme, Fehlstellungen, Entzündungen oder Veränderungen außerhalb des Kniegelenks verursacht werden.
Eine moderne Arthrosebehandlung beginnt deshalb nicht mit der Spritze, sondern mit einer gründlichen Diagnostik.
Unser Ansatz: individuelle Behandlung statt Therapie nach Schema F
In unserer Privatpraxis für Orthopädie und Sportmedizin in Schriesheim verbinden wir klassische orthopädische Behandlungsmöglichkeiten mit modernen regenerativen Verfahren.
Dazu gehören – abhängig vom individuellen Befund – unter anderem:
Hyaluronat · PRP/Eigenbluttherapie · biologische und regenerative Verfahren · Bewegungstherapie · physikalische Maßnahmen · medikamentöse Behandlung · operative Beratung
Dabei steht nicht die einzelne Methode im Mittelpunkt.
Entscheidend ist, welche Behandlung für Sie in Ihrer individuellen Situation sinnvoll ist.
Unser Ziel ist es, die Funktion des Kniegelenks möglichst lange zu erhalten, Schmerzen zu reduzieren und Ihre persönliche Lebensqualität und Belastbarkeit zu verbessern.
Unser Fazit
Kniearthrose ist heute sehr gut behandelbar – auch wenn ein bereits zerstörter Knorpel nicht einfach durch eine einzelne Spritze „nachwachsen“ kann.
Bewegung und gezieltes Training bilden die Grundlage. Je nach Situation können Medikamente, Hyaluronat, PRP oder weitere regenerative Verfahren sinnvoll ergänzt werden.
PRP ist dabei ein interessantes und zunehmend untersuchtes Verfahren, dessen Wirkung bei geeigneten Patienten vielversprechend sein kann.
Stammzell- und SVF-Verfahren sind wissenschaftlich besonders interessant, befinden sich hinsichtlich der Behandlung der Kniearthrose jedoch noch in einem Bereich, in dem die Möglichkeiten und Grenzen sorgfältig abgewogen werden müssen.
Die beste Arthrosebehandlung ist deshalb nicht die modernste Behandlung – sondern die Behandlung, die zum Patienten, zum Gelenk und zum Stadium der Erkrankung passt.